Die Nahrungsmittelproduktion und besonders die Fleischproduktion ist in den letzten Jahrzehnten weltweit drastisch angestiegen. Ein steigender Lebensstandard wird generell durch einen Anstieg des Nahrungsmittelkonsums und besonders des Fleischkonsums begleitet. Fleischproduktion ist heutzutage eine intensive Industrie, die ihr Futtermittel von einem Teil der Welt bezieht und im anderen Teil der Welt Fleisch unter extremen Bedingungen überproduziert. Diese Industrie hat inakzeptable Konsequenzen für Tiere, Menschen und Umwelt zur Folge; sie verschmutzt unser Wasser, unsere Luft und unser Land; sie beschleunigt die Abholzung und den Klimawandel; sie behandelt Menschen und Tiere nicht als Lebewesen mit Würde, sondern als Mittel zur Kapitalanhäufung.
Diese Broschüre soll vor allem über die Auswirkungen der ständig wachsenden Fleischproduktion und des Fleischkonsums informieren. Wir begleiten ein Schwein vom industrialisierten Hof in Europa zum Herkunftssort seines Futters, den Sojafeldern in Südamerika. Die Reise deckt verschiedene Probleme des landwirtschaftlichen Sektors auf, indem sie die Strukturen und die Rolle der internationalen Politik hinterfragt.
Die Auswirkungen der zunehmend intensiven Fleischproduktion sind weltweit sichtbar. Kleine Bauernhöfe mit breit gefächertem Anbau werden durch riesige, auf den Export spezialisierte Monokulturen und Fabriken ersetzt. Dies betrifft besonders die Armen, die auf ihr Land angewiesen sind um für Essen, Gesundheit und Einkommen zu sorgen. Verlieren sie ihr Land, bleibt ihnen oft nur, die Heimat zu verlassen. Viele werden dann unterbezahlte Arbeiter_innen in der wachsenden Nahrungsmittelindustrie. Der Wettbewerb um bewirtschaftbares Land zwischen Kleinbauern, Großgrundbesitzern und den profitorientierten Konzernen der Agrarindustrie wirft wichtige Fragen auf: Wer sollte das Land besitzen? Wer sollte das Recht haben, dessen Ressourcen zu nutzen und wer sollte den Nutzen aus ihnen ziehen? Ist es akzeptabel, dem Wirtschaftwachstum Priorität über das Recht auf Nahrung zu geben?
Den Tieren geht es nicht besser. Neben der Tatsache, dass Wildtiere wegen Umweltverschmutzung und Abholzung aussterben, finden sich die Nutztiere als bloße Fleischfabrikanten wieder. Sie werden jeglicher Würde als lebendige Wesen beraubt. Sie werden unter extremen Bedingungen in geschlossenen Fabriken gehalten, vollgepumpt mit Antibiotika und Beruhigungsmitteln um Krankheiten einzudämmen und Stresserscheinungen zu mindern. VegetarierInnen und VeganerInnen stellen sich dem entgegen. Fleisch essen zu können kann nicht so wichtig sein, dass man sich erlaubt zu vergessen, wo dieses herkommt.
Diese Entwicklungen sind weder Naturgesetz, noch sind sie einzigartige Vorgänge. Sie folgen dem Kalkül einer globalen Marktwirtschaft, die das Wirtschaftswachstum als Hauptziel hat und in der auch die Landwirtschaft im Wettbewerb um Profite steht. Ein System, in dem Menschen zu Arbeitskräften und Konsumenten reduziert werden, in dem die Natur nur als Profitpotenzial oder Störfaktor gesehen wird.
Einige dieser Probleme werden von Regierungsführern angesprochen, jedoch befassen sie sich nicht mit den verantwortlichen Mechanismen. Stattdessen wird die Verantwortung einen Wandel einzuleiten der konzerndominierten freien Marktwirtschaft überlassen. Die G8 spielt eine wichtige und aktive Rolle bei der Unterhaltung dieses Wirtschaftssystems, von dem nur die wenigen profitieren, die es 'frei' nennen. Beim G8-Gipfel im Juni 2007 in Heiligendamm wird die Landwirtschaft wohl nicht auf dem Programm stehen. Die schlimmsten Konsequenzen der modernen Lebensmittelproduktion sind im globalen Süden zu beobachten und stellen daher keine unmittelbare Sorge für die Führer dieser industrialisierten Länder dar.
Dieser wachsende Wahnsinn in der Lebensmittelproduktion kann gebrochen werden, indem wir Leute über die Vorgänge informieren und sie ermuntert werden etwas zu unternehmen. Unsere täglichen Essgewohnheiten betreffen Tiere sowie Bauern/Bäuerinnen direkt und indirekt in allen Teilen der Welt. Durch das Treffen von bewussteren Entscheidungen können wir einiges verändern. Lass' Dich nicht von Supermärkten, Konzernen, Regierungen und der G8 bevormunden, wie Du Dein Leben lebst und wie Dein Leben andere beeinflusst. Wenn Dich etwas schockiert – dann tu' etwas!
| Anhang | Größe |
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| schweinundwirklichkeit.pdf | 1.51 MB |