Soja, Biokraftkraftstoff und G8

Bei Erstellung dieser Broschüre ist die offizielle Agenda des G8-Gipfels in Heiligendamm noch immer ein streng bewachtes Geheimnis. Es ist normal für die G8 darüber zu entscheiden, was der Welt gut tut ohne die Leute, über die entschieden wird, zu fragen. Politische AnalystInnen erwarten allerdings dass beim Gipfel drei Hauptthemen auf dem Programm stehen: Das weltweite wirtschaftliche Ungleichgewicht, Energie und geistiges Eigentumsrecht. Von diesen dreien könnte die Energiediskussion ernste Konsequenzen auf LandwirtInnen und die Sojaproduktion haben.

Schlüsselstaaten der G8 haben angekündigt zukünftig Biokraftstoffe in großem Stil herzustellen und von Entwicklungsländern einzuführen. Die Finanzminister der G7 (G8 ohne Russland) haben die Stimmmehrheit im IWF und der Weltbank und können so deren Investitionsrichtlinien beeinflussen. Durch solche Ankündigungen wird der Druck auf das zur industriellen Futterproduktion genutzte Land noch größer, da Futtersoja nun im Wettbewerb mit Soja und Palmöl für Biokraftstoffe steht. Mexiko hat bereits einen 400%igen Anstieg der Maispreise erlebt, da der Mais den es bisher von den USA einkaufte nun für Biokraftstoffe genutzt wird. Biokraftstoffe erlauben den G8-Regierungsführern so weiterzumachen wie bisher, während fossile Brenstoffe langsam ausgehen und die Klimakrise immer ernster wird.

Die Probleme der Herstellung von Biokraftstoffen werden noch verschlimmert durch Klimaausgleichsprogramme, die versuchen Emissionen 'gutzumachen'. Diese Programme pflanzen meistens schnell wachsende Bäume, die große Mengen CO2 binden – auf bisher für den Anbau von landwirtschaftlichen Gütern verwendeten Feldern in Entwicklunglungsländern. Diese Bäume können von den dort lebenden Leuten nicht genutzt werden, weil dies das CO2 wieder freisetzen würde. Die Probleme unserer unnachhaltigen Transportgewohnheiten werden in andere Teile der Welt exportiert, da es hier einfach nicht genügend Platz gibt um die riesigen Mengen benötigter Biokraftstoffe herzustellen. Indem sie sich auf die Herstellung von Biokraftstoffen in den Entwicklunglungsländern verlassen, umgehen die großen Agrar- und Energiekonzerne der industriellen G8-Welt die nötigen Veränderungen und überlassen die Menschen und Tiere im Süden den krassen Konsequenzen ihres Handelns.