Was wir Südamerika antun: Soja für Fleisch - Bedrohung der Ökosysteme

Soja für Fleisch - Bedrohung der ÖkosystemeSoja für Fleisch - Bedrohung der Ökosysteme
“Schau' was die da essen. Ich kenne das genau von vor meiner Befreiung. Reines genetisch verändertes Soja. Zu jeder Mahlzeit. Es kommt alles aus Argentinien, da werden Millionen Tonnen Soja nur für Tierfutter hergestellt. Sie können das fruchtbare Land nicht nutzen um für die eigenen Leute gesundes Essen anzubauen. Ich versteh' diese Welt nicht.”

In den südamerikanischen Ländern Paraguay, Argentinien und Brasilien hat die massive Ausweitung des Sojaanbaus für den Export katastrophale Auswirkungen auf ländliche Gemeinden und ihre Lebensweise. Die Sojakultivation ist am profitabelsten, wenn viel Kapital und wenig Arbeit eingesetzt wird. Sie hat die arbeitsintensiveren Formen von Gemüse- und Baumwollanbau sowie die Milchkuhhaltung verdrängt. Während Brasilien und Argentinien bereits mit Sojaplantagen überdeckt sind, ist es weithin unbekannt, dass Paraguay der weltweit viertgrößte Sojaexporteur geworden ist.

2006 wurden allein in Paraguay 2,5 Millionen Hektar Soja gesät, eine Fläche so groß wie Mecklenburg-Vorpommern. Die Behörden Paraguays planen eine Ausweitung auf 4 Millionen Hektar. Die paraguayanische NGO BASE.IS stellt klar, dass “die Ausweitung von Monokulturen (auch 'Grüne Wüste' genannt) wie Soja eine mechanisierte Landwirtschaft ohne Kleinbauern, ohne Menschen vorantreibt. Alle Monokulturen schaden dem Ökosystem das sie ersetzen; sie zerstören die biologische und landwirtschaftliche Vielfalt, vergiften Wasserquellen und Böden und untergraben die Nahrungsmittelsicherheit und Unabhängigkeit der Leute und ihrer Länder. Sie verursachen Armut, Arbeitslosigkeit und die Vertreibung sowie Zerstörung von Gemeinden in ländlichen Gegenden.”

Beinah der gesamte Sojaanbau in Argentinien besteht aus 'RoundupReady'-Sorten des multinationalen Biotechnologiekonzerns Monsanto. Diese genetisch veränderte Pflanze widersteht dem 'Allestöter'-Herbizid 'Roundup'. Sie überlebt intensive Ausbringung des Gifts, das alle anderen Pflanzen zerstört. Auch in Brasilien und Paraguay ist diese Sorte auf dem Vormarsch.

Soja - Eine Bedrohung der Ökosysteme

Die explosive Zunahme des Sojaanbaus hat die Zerstörung von Millionen Hektar Wald und Savanne mit einer extrem großen und wertvollen Artenvielfalt bewirkt. Zwischen Mai 2000 und August 2006 hat Brasilien beinah 150 000 km2 an Wald verloren – eine Fläche größer als Griechenland. In den letzten Jahren ist die Sojabohne einer der wichtigsten Verursacherinnen der Abholzung im Amazonasgebiet Brasiliens geworden. Die Sojaproduktion ist an sich für einen Teil der Abholzung verantwortlich, hat aber einen noch größeren Einfluss indem sie sich in die Savannengebiete und Übergangswälder ausbreitet und dadurch ViehhalterInnen und brandrodende Bauern/Bäuerinnen immer tiefer in den Wald treibt. Der Anbau von Soja ist auch eine wichtige politische wie wirtschaftliche Triebkraft für den Bau neuer Straßen und Infrastrukturprojekte, die die Abholzung noch mehr beschleunigen.

Die im großen Stil betriebene Landwirtschaft mit ihren Monokulturen, Großmaschinen und tödlichen Pestizideinsätzen ersetzt die Technik des Pflügens zur Unkrautbeseitigung. Dies verursacht gepaart mit dem Mangel an Fruchtwechsel eine höhere Bodenerosion durch Wasser und Wind. Durchschnittlich gehen pro Kilo hergestellter Sojabohnen 4 kg Erdreich verloren. Das Ausmaß des Sojaanbaus ist so riesig, dass er das Klima in Südbrasilien rapid verändert. Die Abholzung im Amazonasgebiet drängt den Wald immer weiter zurück. Das Nutzland erhitzt sich schneller und vertrocknet leichter, was eine Abwärtsspirale von immer trockenerem Klima und weiterem Verlust an Regenwäldern bewirkt.

Klimakiller Landwirtschaft

In den letzten Monaten waren die Medien voll von besorgniserregenden Informationen über den Klimawandel. Die Landwirtschaft trägt diesem sehr viel bei, hauptsächlich durch die Tierhaltung. Die Tierhaltung verantwortet mindestens 18% der Treibhausgasemmissionen, mehr als der weltweite Verkehr. Die Gase kommen von der Verbrennung von fossilen Brennstoffen bei der Herstellung von Tierfutter und künstlichem Dünger, sowie von Methanemissionen der Tiere selbst und ihrer Gülle. Methan ist ein besonders wirkungsvolles Treibhausgas, 21mal so schädlich wie CO2. Für die Produktion von Futter werden Wälder abgeholzt und gebrandrodet. Dies und der einhergehende Bodenverlust verursachen massive CO2-Emissionen. Da verlorener Boden nicht zurückkehrt, kann dieser Prozess landwirtschaftlicher Raubbau genannt werden. Er führt zu regionalem Temperaturanstieg und Versteppung. Nicht zu vergessen sind die Emissionen die durch den Transport des Futters, der Gülle, der Tiere und des Produkts Fleisch anfallen. Laut des FAO-Berichts 'Der lange Schatten der Tierhaltung' (Livestock's long shadow') von 2006 ist der Bereich Tierhaltung für folgende durch den Menschen verursachte Emissionen verantwortlich:
CO 2,9%
Methan 35-40%
Stickoxide 65%
Ammoniak 64%.

links to:
Soy in numbers http://www.pig8soy.org/de/node/50
WTO for Soy http://www.pig8soy.org/de/node/56
The Structural Adjustment Program Monoculture Drive http://www.pig8soy.org/de/node/57