Tierfabrik Europa

Ein Europa der TierfabrikenEin Europa der Tierfabriken
“Früher hatten die Bauern/Bäuerinnen in Europa eine vielfältige Landwirtschaft. Jeder hatte ein paar von uns Schweinen und baute gleichzeitig Getreide und Gemüse an. Bauern produzierten für ihre eigene Umgebung. Es ist schön, dass die meisten Bauern keine Schweine mehr halten, aber sieh', was für Zustände nun herrschen. Nur noch diese Riesenhöfe, die eher Fabriken gleichen und gerademal ein Produkt für den Weltmarkt produzieren.”

Fleischproduktion in Europa hat nichts mehr mit Landbesitz zu tun. Der Import von Soja als billige Eiweißquelle hat einen Umschwung hin zur industriellen Fleischproduktion und eine Konzentration der Produktionseinheiten in der Nähe von großen Häfen in den Niederlanden, Dänemark, Norddeutschland, Spanien und Frankreich bewirkt. Die intensivierte Fleischproduktion, die Europa heute dominiert, wäre ohne diese Sojaimporte nicht möglich. Deutschland etwa muss 4,7 Millionen Tonnen Soja einführen, um dem Durchschnittsdeutschen den jährlichen pro-Kopf-Fleischkonsum von 61,1 kg zu ermöglichen. Es bräuchte 10 Millionen Hektar, ein Drittel der Fläche Deutschlands, um genug Futter für diese Fleischerzeugung zu produzieren – ganz zu schweigen von den fossilen Brennstoffen und dem Wasser, welche ebenfalls gebraucht würden.

Kleinbauern/Bäuerinnen können nicht mit solch riesigen Fleischfabriken mithalten. Die Leute in ländlichen Regionen müssen mitansehen, wie sich ihre Landidylle in eine stinkende Industriezone verwandelt. Immer mehr Lastwagen mit Futter, Gülle und Tieren verkehren. Die massive Einfuhr von Futtermitteln erzeugt einen entsprechenden Überschuss an Gülle, der den Boden, das Grundwasser und die Luft verschmutzt. Des weiteren führt dies zu einer Dominanz von Mais in den fleischproduzierenden Regionen, da diese Pflanze am meisten Gülle verträgt.

Viel zu lange wurde den Leuten weisgemacht, dass Landwirtschaftssubventionen die Kleinbauern/Bäuerinnen schützen sollen. Etwa 44% des jährlichen EU-Budgets werden für diese Subventionen ausgegeben. Berechnungen zufolge gehen 80% der Mittel an nur 20% der Bauern/Bäuerinnen, während sich am anderen Ende der Liste 40% der Bauern/Bäuerinnen nur 8% der Subventionen teilen. Weithin unbekannt ist, dass sich unter den GroßempfängerInnen von landwirtschaftlichen Subventionen die Englische Königin (wegen Flächenbesitz), Lebensmittelhersteller wie Heineken und Nestle, der Cateringzweig von KLM und British Airways und die großen Fleischkonzerne wie Dänisch Crown befinden.

Quellen:
news.bbc.co.uk/2/hi/europe/4407792.stm
www.guardian.co.uk/country/article/0,,1443878,00.html
www.financialexpress.com/fe_full_story.php?content_id=99333