Fall Mecklenburg-Vorpommern – Schweineproduktion en masse

Schmutzige Schweineproduktion en masseSchmutzige Schweineproduktion en masse
Mecklenburg-Vorpommern (MV) kennt die stinkenden Ställe gut. Zu DDR-Zeiten wurden riesige Tierfabriken gebaut und dann kurz nach der Wende verlassen. Obwohl der Boden bereits durch Altlasten mit Nitraten verseucht ist, versucht die Landesregierung aktiv mehr Schweinehalter ins Land zu locken. Dies trotzdem Landesstudien gezeigt haben, dass der Standort einen Wettbewerbsnachteil hat, nur große Höfe mit wenigen MitarbeiterInnen eine Chance auf Profit haben und jeder neue Hof woanders jemanden aus dem Geschäft treibt. Schon jetzt hat Europa eine Schweinefleischüberproduktion von 9% und die Preise für Schweinefleisch fallen seit Jahren.

Für SchweinehalterInnen stehen neben den alten Riesenställen von vor 1990 auch Subventionen bereit. Selbst EU-Subventionen für die Entwicklung des ländlichen Raumes können an industrielle Schweinehalter gehen. Hierfür brauchte man früher zumindest genügend eigenes Land um die Gülle auszubringen. Diese Bedingung gilt nicht mehr. Ebenso hat Deutschland die Güllerichtlinien gelockert, um attraktiver zu werden für Investitionen. So darf nun mehr Gülle ausgebracht werden und für Übergüllung gibt es keine Bußgelder mehr.

Die Regierung rechtfertigt ihre Maßnahmen als Versuch in einer Region Arbeitsplätze zu schaffen, von der junge Leute aus Mangel an Zukunftsperspektiven flüchten. Die Gebliebenen beanstanden den Boom der Schweinefabriken wegen seinen Auswirkungen auf die Region. Zusätzlich zu den Umwelteffekten geben diese Tierfabriken nur sehr wenige Arbeitsplätze her und zerstören gleichzeitig Arbeit bei kleineren Höfen. (Leute, die sich in den Tierfabriken verdingen leiden unter schrecklichen Arbeitsbedingungen und extremem Stress wegen ständiger Unterbesetzung.) Der Tourismus leidet ebenfalls, da die Region ihren natürlichen Charakter verliert.

Die Investoren sind indes alles andere als ortsansäßige BürgerInnen. Viele von ihnen sind aus den Niederlanden, wo wegen massiver Übergüllung Schweinefabriken geschlossen werden müssen. In Medow steht der Skandalhof des holländischen Investors Straathof der in seiner Heimat für die notorische Missachtung von Gesetzen bekannt ist. Die Fabrik mit 15 000 Schweinen nahm den Betrieb auf, bevor alle Anlagen fertiggestellt waren. So wurden Tierkadaver einfach draußen gelagert, was einen immensen Gestank verursachte. Außerdem wurde ein illegaler Kanal vom Güllelager in ein naheliegendes Naturreservat gefunden. AnwohnerInnen protestierten für Monate, doch die Regierung beantwortete ihre 'Geruchsprotokolle'
mit einer Studie, die keinen nennenswerten Geruch vorfand – zumindest an drei kälteren Tagen bei günstigem Wind. Straathof plant noch weitere Schweinefabriken in der Region.

Quellen: www.bund.net/lab/reddot2/pdf/fleischfabriken.pdf
www.mvregio.de/mvr/26902.html
TV-Sendung über niederländische Schweinehalter in MV:
/www.zdf.de/ZDFde/inhalt/1/0,1872,1001633_idDispatch:2494827,00.html