Konzentration der Agrarmacht

Konzentration der AgrarmachtKonzentration der Agrarmacht
“Also, ich hätte gern etwas spanischen Saft und sonnengetrocknete Tomaten aus Italien. Hummus aus Griechenland ist lecker und zum Schluss noch ein paar frische Kräuter aus der Region. Aber warte, die haben ja alle das gleiche Firmenetikett. Wie geht denn das?”

Der Agrarmarkt hat sich auf eine Art geöffnet, die global operierende Firmen begünstigt. Auf der ganzen Welt hat sich die starke Hinwendung zur freien Marktwirtschaft auf Bauern/Bäuerinnen ausgewirkt. Der Handel wird von jenen bestimmt, die die Macht haben, Preise zu beeinflussen, WettbewerberInnen auszuschalten und wirtschaftliche Maßstäbe zu setzen. Die Bauern/Bäuerinnen sind von Natur aus auf dem Weltmarkt benachteiligt: sie sind zahlreich, während es nur wenige VerarbeiterInnen gibt (eine Mühle mahlt vieler Bauern Weizen); des/der einzelnen Bauern/Bäuerin Entscheidung, was er/sie herstellt, hat keine Preisauswirkungen und da die Lagerung teuer ist, versuchen die meisten ProduzentInnen ihre Ernte sofort zu verkaufen.

Die Etablierung von privaten Industriemaßstäben ohne Regierungseinmischung, hat einen starken Einfluss darauf, wer welche Waren wo verkaufen kann. Wenn ein Produkt von einem Supermarkt oder einem Verarbeitungsbetrieb abgelehnt wird, gibt es wenig andere Vermarktungsmöglichkeiten für den/die VerkäuferIn. Schlussendlich zählt der Marktzugang, sei es im Inland oder auf dem Exportmarkt. Je weniger Firmen diesen Marktzugang kontrollieren (seien es RohstoffhändlerInnen, VerarbeiterInnen oder Supermärkte), umso weniger Möglichkeiten hat der/die HerstellerIn, seine/ihre Produktion zu verkaufen.

Marktmacht ist im Agrargeschäft nichts neues. Im Getreidehandel etwa dominierten vier der derzeitigen Top Five schon vor 100 Jahren den Markt (Cargill, Continental, Bunge und Louis Dreyfus). Die Machtkonzentration ist auf dem Saatgutmarkt und bei den Rohstoffen am problematischsten, jedoch hat sich die Konzentration im letzten Jahrzehnt auch in anderen Bereichen, die mit Futter und Essen zu tun haben, beschleunigt.

Handel: Der Sojamarkt wird von vier Firmen kontrolliert; Cargill, ADM, Bung und Louis Dreyfus halten gemeinsam 80% der Marktanteile

Saatgut/GVOs: Monsanto allein hatte 2004 88% des Saatguts für gentechnisch veränderten Anbau geliefert. Monsanto kontrolliert 41% des globalen Maissaatgutmarkts und 25% des Weltmarkts für Sojasaatgut. Die wachsende Bedeutung der Gentechnologie ist besonders besorgniserregend. Bauern/Bäuerinnen waren in diesem Bereich einmal selbstständig (durch Aufbewahrung des Saatguts, Fruchtfolge und Gülleausbringung zur Erhaltung der Bodenqualität). Sobald sie die industriellen Methoden übernehmen, werden sie vollkommen vom Zukauf sämtlichen Inputs abhängig; Samen, Pestizide und Dünger.

Pestizide: 2002 kontrollierten 10 Firmen 80% des Weltmarkts für Pestizide, die fünf größten waren Monsanto (US), Dupont (US), Syngenta (CH), Groupe Limagrain (F) und KWS AG (D).

Supermärkte: 2004 nahm Wal-Mart geschätzte 6,1% des weltweiten Lebensmittelmarkts ein, beinahe dreimal so viel wie der nächste Rivale, Carrefour. Die europäische Situation bietet ein offensichtlicheres Bild: In Deutschland, den Niederlanden, Groß-Britannien und Frankreich werden zwischen 42 und 56% des Markts von nur 5 Firmen dominiert.

Fleisch/Schlachthöfe: Die meisten Fleischproduzenten operieren noch vornehmlich auf nationaler Ebene, doch seit gut 10 Jahren ändert sich dies. Der US-Fleischriese Smithfield etwa schafft sich rapid Zugang zum europäischen Markt.

Tierfutter: Weltweit ist die Konzentration im Bereich Tierfutter noch nicht so extrem. Auf regionaler und Länderebene dominieren jedoch wenige Firmen. In den Benelux Staaten etwa produzieren nur sechs Firmen 48% der Futtermittel.

Es ist noch immer möglich regionale Bauernkooperativen und unabhängige NahrungsmittelproduzentInnen zu finden, doch es ist ein Kampf für diese im Markt zu bestehen. KonsumentInnen können ihre Missbilligung gegenüber der Konzentration-bis-zur-Wahllosigkeit ausdrücken, indem sie diese regionalen, unabhängigen Initiativen unterstützen.

Quellen: 'Market Power and Agricultural Trade'
2006, Sophia Murphy,
www.tradeobservatory.org/library.cfm?refid=89014