Landlos im Namen der Sojabohne
schwein : “Wo bin ich denn hier angelangt? Sieht nach einer Schweinerei aus, entschuldige das Wort. Warum haben diese Leute keine richtigen Häuser, Wasserzugang oder Abwassersysteme? Keinerlei Grün oder Gärten. Wieso gehen sie nicht aufs Land um da zu leben? Welche Form der Unterdrückung hindert sie daran ihren eigenen Hof, eigenes Land und eigene Wurzeln zu haben?”
Fast die Hälfte der Bevölkerung Paraguays lebt unter der Armutsgrenze und 21% leben in extremer Armut. Studien zeigen, dass Armut generell größer ist, wo es mehr Sojaproduktion gibt.
Laut eines FBOMS-Berichts “nimmt die Armut in Land und Stadt zu, da Monokulturen zusätzlich zur Vertreibung der Kleinbauern von ihrem Land, kaum Arbeit schaffen. Auf 100 Hektar Monokultur fällt auf Eukalyptusplantagen ein Job an, auf Sojaplantagen zwei und bei Zuckerrohr zehn. In der herkömmlichen Landwirtschaft konnte dieses Land 20 Familien ernähren. Ohne Alternative, ziehen LandarbeiterInnen in die Slums.” (1) Friends of the Earth Paraguay gibt an, dass ca. 70 000 Leute jedes Jahr Landflucht begehen. Zusätzlich wandern viele in Nachbarländer aus.
Der Anthropologe Kregg Hetherington, der für eine Weile an der Sojafront in Zentralparaguay gelebt hat, beschreibt den Prozess:
“Unter der rapiden und unkontrollierten Ausbreitung von genetisch verändertem Soja leidend, haben paraguayanische Bauern ganze Städte unter den Sojafeldern verschwinden sehen. Dies folgt gewöhnlich einer Zeit der kompletten Umkreisung der Städte durch mechanisierte Felder. Bäume verschwinden aus der Landschaft und die Pestiziddämpfe wehen in die Häuser, Kirchen und Schulen. Zwangsräumungen, Brandstiftung und gelegentlich bewaffnete Angriffe sind die extremen, aber sicher keine Ausnahmetaktiken um die Bauern von ihrem Land zu vertreiben. Obwohl es den Sojaproduzenten verboten ist, in diesen Gegenden Land zu kaufen, sind die Gemeinden schnell aufgekauft nachdem ihre Dörfer von chemie-intensiven Plantagen umzingelt wurden. Der Anbau in Monokulturen macht den bäuerlichen Lebensstil in der Nähe von großen Feldern praktisch unmöglich.”(2)
Quellen: 1. “Agribusiness and biofuels – an explosive mixture. The impacts of monoculture expansion on bioenergy production in Brazil”, Brazilian Forum of NGOs and Social Movements for the Environment and Development (FBOMS), 2006
2. Ken Hetherington: Politics, Education and Restitution: the state of the struggle in Rural Paraguay http://activistmagazine.com/~608
Links:
Soy in numbers http://www.pig8soy.org/en/node/50
WTO for Soy http://www.pig8soy.org/en/node/56
The Structural Adjustment Program Monoculture Drive http://www.pig8soy.org/en/node/57
Rückeroberung der Felder
In Paraguay ist die Landverteilung ähnlich wie in anderen südamerikanischen Staaten extrem konzentriert: 1% der Landbesitzer halten 77% des Landes. Diese unglaubliche Besitzkonzentration und der Mangel an Lebensqualität in den Städten führt zu einer wachsenden Zahl von Landbesetzungen in Paraguay, besonders von öffentlichem Land, das illegalerweise an Sojaproduzenten verkauft wurde. Sich zu organisieren ist auf dem Lande nicht einfach, aber es werden Siege erzielt. In der Provinz Caaguazu, wo die Organisation Movimiento Agrario y Popular (MAP) aktiv ist, konnte der Vormarsch der Sojafelder vorerst aufgehalten werden.
Allerdings haben die Sojaproduzenten auf solche Erfolge Antworten parat. So heuern sie 'Sicherheits'-teams von arbeitslosen Jugendlichen vom Lande an und benutzen sie um die organisierten Bauern/Bäuerinnen einzuschüchtern. Sogar Regierungen reagieren mit Gewalt und Repression. Allein in Paraguay wurden in den letzten 4 Jahren mehr als 30 Bauern durch Regierungstruppen getötet.
mehr info : www.lasojamata.org