Tiere oder “Fleischfabriken”?
“Jippie, endlich bin ich draußen. Wie kann eine sogenannte zivilisierte Gesellschaft Tiere in Fabriken halten? Ich und Millionen meiner Freunde haben noch nie Tageslicht gesehen. Herumrennen wird als Energieverschwendung angesehen! Und am Ende kommt immer das Schlachthaus. Wir sind lebendige Wesen mit Gefühlen, verdammt nochmal! Nicht nur ein Produkt zum Geld verdienen! Eins zwei drei, alle Tiere frei!”
Europäische Tierhöfe sind hochindustrialisiert und sehr spezialisiert. Das Fleisch, das Du isst, läuft durch eine Vielzahl von verschiedenen Fabriken, wo es gerade wie ein Auto immer weiter verarbeitet wird.
Auf Schweinehöfen die sich auf die Zucht spezialisieren, hausen die 'produktiven Tiere'; Höchst fruchtbare Sauen werden mit besonders schnell und groß wachsenden Ebern gepaart. Wenig Interesse existiert für die Zucht von z. B. weniger krankheitsanfälligen Tieren. Nach diesem Zuchthof werden die Sauen zu einer Art Vervielfältigungshof gebracht, wo die Ferkel geboren werden. Sofort werden die Schwänze und Hoden der jungen Eber abgeschnitten. Es ist so wenig Platz vorhanden, dass die Ferkel einander sonst die Schwänze und Ohren abbeissen würden. Die Ferkel werden nach vier Wochen von ihren Müttern getrennt und nach weiteren sechs Wochen zum Bauernhof transportiert. Dieser ähnelt eher einer Fabrik – kleine Einheiten von Schweinekäfigen mit sehr begrenztem Platz, gewöhnlich etwa 0,8m2 pro Schwein. Das Leben ohne Tageslicht und Bewegung verursacht körperliche wie geistige Krankheiten, die behandelt werden, indem man alle Tiere mit Antibiotika und Beruhigungsmitteln vollpumpt. Hier werden die Schweine innerhalb von ca. drei Monaten mit Hilfe proteinreichen Futters aus Südamerika von 25kg auf 115kg hochgemästet. Dann werden sie zum Schlachthof gebracht. Das heißt, falls sie denn so lange leben; 12-20% der Jungtiere sterben vorzeitig. Viele sterben während der Transporte quer durch Europa, die oft unter extremen Bedingungen stattfinden: auf engstem Raum, ohne Wasser, Futter oder Licht. Es sollte hier erwähnt werden, dass nicht nur Schweine so eingesperrt, ausgebeutet und getötet werden. Ähnliche Geschichten könnten von Rindern und Hühnern erzählt werden.
In Europa leben oft zehntausende, selbst bis zu 100 000 Schweine auf einem Hof. Indem viel zu viele Tiere auf engstem Raum gehalten werden, sie über weite Distanzen transportiert und mit unausgewogenem Futter und Arzneien ernährt werden, geht man das Risiko von riesigen Tierepidemien ein. Folge war unter anderem die Maul- und Klauenseuche. Wenn solch eine Epidemie ausbricht, bleibt nur die Massenschlachtung aller betroffenen Tiere. Dies hat nicht nur für den Bauern/Bäuerin vernichtende Konsequenzen sondern auch für die verwandten Wildtiere der Umgebung, die ebenfalls getötet werden.
Auch zur Herstellung von Milch und Eiern werden Tiere getötet. Genauso wie Menschen, produzieren Kühe nur Milch nachdem sie schwanger waren. Eine Kuh muss alle sechs Monate gebären, um 'produktiv' zu bleiben. Von dem intensiven Melken bekommen viele Kühe Euter- und Zitzeninfektionen. Sie geben dann Eiter ab, der in der Milch gefunden werden kann (ca. ein Fingerhut pro Liter). Da die Milch für Menschen gedacht ist, werden die Kälber von ihren Mutterkühen weggenommen. Weibchen werden Milchkühe, während die Männchen nur für ihr Fleisch gebraucht werden können.
Für die Herstellung von Eiern brauchen wir Bruthennen. Diese werden auf speziellen Zuchthöfen herangezogen, wobei einige für die Zucht augewählt werden während die Junghähne entweder vergast oder in Stücke gehexelt werden. Sie sind vollkommen nutzlos für die Industrie, da sie keine Eier legen und sich diese Zuchtrassen nicht zum essen eignen.
Indem Du Fleisch, Milchprodukte und Eier isst, machst auch Du Dich verantwortlich für die Misshandlung und Tötung in der Tierindustrie. Wie rechtfertigt man dieses Ausmaß an Tierschlachtungen für die Ernährung von Menschen? Wo liegt der relevante Unterschied zwischen Mensch und Tier, der diese Behandlung legitimieren könnte? Ist es, weil der Mensch ein Bewusstsein hat? Wir wissen nicht, ob einige Tiere ein Bewusstsein haben oder nicht, doch warum sollte dies überhaupt ein relevanter Unterschied sein? Wir wissen sehr wenig über die Gefühle von geistig Behinderten, doch natürlich misshandeln wir sie deswegen nicht. Ist es also die geringere Intelligenz von Tieren, oder einfach weil sie zu einer anderen Spezies gehören? Die Diskriminierung und Ausbeutung von andern Arten hat eine Definition: Speziesismus. Tierfabriken repräsentieren Speziesismus in seiner schlimmsten Form.
Es ist ein ständig benutztes Argument, Fleischkonsum als 'natürlich' zu bezeichnen, um diesen zu legitimieren. Tiere essen einander, wieso sollten Menschen dies nicht auch tun? 'Natürlich' ist nicht immer gut. Natürlich und moralisch sind zwei verschiedene Dinge. Gewalt wird auch als natürlich und doch als unrichtig angesehen. Die meisten Menschen sind in der Lage moralische Entscheidungen zu treffen und haben die Möglichkeit eine fleischfreie Ernährung zu wählen. Es mag unnatürlich erscheinen, keine anderen Tiere zu essen, aber es ist eine offensichtliche moralische Verantwortung.
Eine andere Möglichkeit ist es, Fleisch aus biologischer Herstellung zu kaufen, jedoch weicht auch diese nicht allzusehr vom Konzept der Tierfabriken ab. Die biologische Produktion birgt die gleichen Probleme und kann den Tieren raum- wie futtermäßig nur bedingt bessere Bedingungen bieten. Sowieso ist sie nicht die Lösung des Problems: Wenn wir uns einig sind, dass Tiere nicht nur existieren um ausgebeutet zu werden, wie kann es dann eine Nachfrage nach Tierprodukten geben, die das Tier zum 'Fleischfabrikant' reduziert?